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Onkelmad – Portus Hardcore since 1975

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BFV-Pokal 2013: SV Waldhof Mannheim – Karlsruher SC 0:2 (23.03.2013)

Bevor die neue Saison wieder beginnt kommt hier noch eine kleine Rückschau auf den fußballerischen Höhepunkt der letzten Saison. Im Viertelfinale des Badischen Vereinspokals trafen wir auf den alten Rivalen Waldhof.
Die Vorfreude und Spannung vor diesem Spiel war riesengroß. Es war einfach der Höhepunkt der Saison und wir steuerten mit unserer erfolgreichen Mannschaft siegessicher darauf zu. Als ich zuletzt mit dem KSC hier war schoßen uns Labbadia und Melkam zu einem wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenerhalt in LIga zwei. Kuntz war damals Trainer des SV Waldhof.
10 Jahre liegt dieser Fußballabend (17.4.2003) zurück und er denkt mir noch als wäre es gestern gewesen. Lustig, dass für viele Anhänger beider Seiten dieses Aufeinandertreffen im BFV-Pokal das erste richtige Match gegeneinander war, während meine Generation schon einige hitzige Derby ausgefochten hat.

Der Mannschaft war bewusst was dieses Derby für uns bedeutet und war aufgefordert entsprechend konzentriert zu agieren.
Mit dem Zug ging es dann in Kurpfalz. Ein kleiner Zwischenstopp bei Schwetzingen musste auf offener Strecke eingelegt werden, da mehrere Mannheimer, Brauschweiger und Frankfurter Gleisarbeiter eine Wochenendschicht einlegten. Nettes Begrüßungskommando was nicht unbedingt den Zündstoff aus dieser Partie nahm.

Was in Mannheim folgte war wieder Mal ein Gänsemarsch vom Bahnhof zum Stadion. Kennt man natürlich alles schon, aber es ist immer wieder lästig. Begelietet von massig Polizei und pöbelnden Mannheimern erreichten wir kurz vor Spielbeginn endlich das Stadion.
Jetzt kam der Auftritt des „Sicherheitssprechers“ der über Mikrowagen verlauten ließ, dass wir alle in Kleingruppen ins Stadion eingelassen werden. Ja ne is klar! 15 Minuten vor Spielbeginn will der Typ knapp 2000 Karlsruher nach 2 Stunden Fußmarsch in Kleingruppen ins Stadion lassen. Der letzte wäre dann wahrscheinlich beim Abpfiff drin gewesen.
Die erste „Kleingruppe“ ging dann schon mal los, was allerdings der Polizei gar nicht gefiel. Mehrere hundert Zugfahrer schafften es aber die Absperrung am Eingang zu überwinden. Was jetzt kam war lebensgefährlich. Die Polizei knüppelte auf alles drauf was sich am Eingang befand und sprühte wahllos mit Pfefferspray um sich. Von hinten drückte die Masse und vorne wurden Leute gequetscht. Schaute man den jungen Polizisten in die Augen (mehr sah man auch nicht wegen dem Socken aufm Kopf), war teilweise Panik erkennbar. Wer zum Geier befiehlt so einen Einsatz? Frauen und Kinder wurden genauso behandelt wie der vermeintliche „Gewalttäter Sport“ – immer drauf mit dem Knüppel und Pfefferspray in die Fresse.
Als man endlich drin war kesselten Polizisten eine Gruppe ein. Hinter ihnen der Zaun, davor vogelwilde Beamte die dermaßen unter Adrenalin standen, dass nicht klar war, was als nächstes passieren würde. Die Gruppe KSC Fans hob sogar die Hände um zu signalisieren, dass von ihnen keine Gefahr ausgehen würde. Zudem wurden sie am Eingang ja gerade durchgelassen. Ein älterer, nicht vermummter, Beamter rannte herbei und schrie auf seine Kollegen ein, dass sie aufhören sollte und die Leute durchlassen. Erst jetzt senkten diese den Knüppel und man hatte das Gefühl sie wären gerade in die Realität von diesem Vorgesetzten zurückgeholt worden.
Auf dem Weg zur Kartenkontrolle saßen überall am Rand Leute die mit den Folgen des Pfeffersprays zu kämpfen hatten. Aber dies waren alles keine Hools, Ultras oder auch nur annähernd gewaltbereite Leute. Da saßen Frauen und Jugendliche und wussten wahrscheinlich gar nicht was ihnen hier gerade passiert war. Die erstgenannten waren ja eh schon mit der ersten „Kleingruppe“ ins Stadion gelangt.
Die Waldhof Ordner winkten uns dann teilweise einfach durch. Sie schüttelten nur den Kopf und gaben dem einen oder anderen noch ein „die spinnen doch“ mit auf den Weg.

Jetzt konnte es endlich losgehen. Beide Seiten hatten Choreos vorbereitet, es knisterte vor Spannung in der Luft. Beim Einmarsch der Teams präsentierten beide Szenen ihr Material und es war äußerst gelungen.
Bilder von der KSC-Choreo gibt es hier: http://ultra1894.de/bilder/ – „Diese Farben, dieser Verein, werden euch immer überlegen sein“ war unser Motto.
Die Waldhöfer präsentierten sich als Underdog und bissige Hunde, umrahmt von fettem Rauch. Kompliment, sah gut aus!

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Akkustisch ging es dann auf beiden Seiten rund. Das war Derby pur! So viel Rivalität lässt sich nicht künstlich erzeugen, das muss wachsen und zwischen dem Waldhof und dem KSC ist sie über die Jahre richtig gewachsen. Das war Fußball pur mit allen Emotionen. Weit weg vom sog. „modernen Fußball“, weg von den „Klatschpappen Fans“ mancher Bundesligisten. Wer hier und heute unter den knapp 15.000 Zuschauern war, der wusste warum und der wollte kein Event.
Der KSC tat sich schwer. Die Mannheimer hielten mit viel Leidenschaft dagegen und hatten auch die größeren Chancen. Nicht auszudenken wenn der SVW in Führung gegangen wäre und die Möglichkeit dazu war da.
Gerade zum richtigen Zeitpunkt gingen wir dann in Führung. Ohrenbetäubender Jubel brach los auf unserer Seite. Unglaublich welche Emotionen hier freigesetzt wurden.
Ich muss offen zugeben, dass ich einen Torjubel auch gerne auf Mannheimer Seite gesehen hätte, einfach um zu erleben was dort dann los gewesen wäre.
Halbzeit zwei läutetetn wir mit Pyro ein und Mannheim zeigte noch das eine oder andere Spruchband. Akkustisch brach der Waldhof dann leider etwas ein, was sicherlich auch mit dem 0:2 zusammen hing, welches wir wieder zum psychologisch sogenannten günstigen Moment erzielten.
Die zweite Hälfte ging nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf den Rängen klar an den KSC.

Wir feeirten unsere siegreiche Mannschaft schön ab und machten uns dann wieder auf den zweistündigen Fußmarsch gen Bahnhof. Die Mannheimer versuchten immer wieder an den Tross heran zu kommen. Die Polizei musste hier echt ran umd ies zu verhindern. Waldhof & Friends ließ sich nicht so leicht durch Knüppel beeindrucken und startete immer wieder Angriffe.
Ein wahrer oldschool Fußballnachmittag endete dann mit ein paar Bier in einer Kneipe und zumindest ich ließ den Tag für mich eher ruhig Revue passieren. Was ich an diesem Tag erlebt hatte, erleben andere Leute in ihrem ganzen Leben nicht. Super Ding!
Ich hoffe darauf, dass der Waldhof den Sprung in den Profifußball wieder schafft. Solche Derbys machen den Fußball aus!

MaD

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Auf zum Sturm der Regensburg

Die Oberpfalz war das Ziel und die Mission Relegationsplatz wurde erfolgreich absolviert. Dieser Nachmittag gegen die Frankfurter Eintracht kostete mich aber bestimmt die Hälfte meiner noch vorhandenen Nerven. 
Jeder von uns wusste wie es bei 1860, Aue und Cottbus steht und so war klar, dass ein Tor der Eintracht wahrscheinlich den direkten Abstieg bedeuten würde und dies für unseren Verein ungeahnte Folgen hätte.
Ihr könnt euch denken wie man sich da fühlt, wenn es wieder einen Freistoß und wieder eine Ecke gibt und dies kurz vor dem Abpfiff.
Da fliegen Bälle in unseren 16er und jeder könnte das Aus für uns bedeuten.
Die letzten 10 Minuten wurde aus frenetischem Support ein Zittern und Bibbern. Allen sah man die Anspannung an, es wurden Hände in den Hosentaschen vergraben, Blicke vom Spielfeld abgewendet oder die Hände vors Gesicht gehalten.
Nervlicher Ausnahmezustand in Karlsruhe!

Der Beginn des Tages war auf dem Marktplatz und gegen elf Uhr trat man den Marsch zum Wildpark an. Auch hier war bei vielen die Anspannung schon greifbar.
Das Spiel begann mit laustarker Anfeuerung auf Karlsruher und einer sehr schönen Pyroshow auf Frankfurter Seite. Da ließen sich die Hessen nicht lumpen und packten einiges an Rauch und Feuer aus. Prima Ding, bis auf die Raketen und die Richtung Platz entsorgten Bengalos.
Der KSC legte sehr gut los, war von der ersten Minute an präsent und stand dem designierten Aufsteiger auf den Füßen. Dann die sensationelle 9.Minute. Iashi und Schiek spielen sich rechts herrlich durch. Schiek dringt in den Frankfurter Strafraum auf Höhe des Fünfmeterraumes ein, legt den Ball in die Mitte und unser Zypriote Charalambous versenkt den Ball im Netz. Befreiender, fanatischer Jubel im Wildpark.
Irgendwann Mitte der ersten Hälfte war klar, dass auf München Blau kein Verlass sein würde. Aachen führte mit 2:1 bei 1860, was mir aber vorher schon fast klar war. Ist eben mittlerweile (leider) ein Scheißverein.
Der KSC war weiter engagiert und stand defensiv sehr sehr gut. Zugeben muss man aber auch, dass die Frankfurter nix wollten. Sie hatten mehr Spielanteile aber drängten nicht wirklich auf den Ausgleich. Zum Glück!
So brachten wir 70 Minuten über die Runden bis Schiek bei einer Ablage im eigenen Strafraum Idrissou den Ball auf dem Silbertablett servierte, dieser das Mahl aber verschmähte und wir noch mal mit dem Schrecken davon kamen. Auch die Jacke meines Freundes „Örni“ überlebte es zum Glück, als ich reflexartig in dieser Situation daran wie wild zog. Was ich damit erreichen wollte – keine Ahnung.

Als dann die Ordnungskräfte kurz vor Ende der Partie mit mehreren Hundertschaften auf der Aschenbahn einzogen war klar, dass der Schiri hier nicht mehr lange nachspielen lassen und sicherlich auch keine strittige Situation mehr gegen den KSC pfeifen würde. Es war vollbracht und nun war Showtime. Es zogen die Pferde der Spanischen Hofreitschule ein, im Sattel die stolze Schweizer Garde und vollführten Pferdedressurreiten im Stiele des Dr.Reinhard Klimke auf „Ahlerich“. Die Frankfurter „Chaoten“ waren fasziniert, ja hingerissen und schmolzen vor Verzückung ob dieser grazielen Vorstellung dahin. Hätten sie Blumen zur Hand gehabt, hätten sie die Aschenbahn in ein Blumenmeer verwandelt.
Danke an den Steuerzahler, dass er diesen kulturell und sportlich wertvollen Glanzpunkt finanziert hat. (Oder hätte deswegen jemand einen Rüffel verdient?)

Nun also auf nach Regensburg! Wir sind guter Dinge, gehen wir doch gestärkt aus dieser Partie hervor.

Danke an eine aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft (….was bitte war denn mit euch in Aachen los….?), danke an unsere Freunde aus Berlin, Graz und Straßbourg. Vielen Dank an Hiroshi, der wohl die weiteste Anreise mit seiner Familie hatte.

Alle auf nach Regensburg!!!

OnkelMad

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